Sie müssen Ihren CO₂-Fußabdruck kennen

Von Franz Waxenecker, Senior Director Precision Services bei dsm-firmenich Animal Nutrition & Gesundheit

Nachhaltigkeit ist heutzutage allgegenwärtig. Es gibt kaum eine Branche, die sich nicht mit diesem Thema schmückt, von der Eisenbahn bis zum Bankwesen. Die Landwirtschaft und insbesondere die Tierhaltung rücken zunehmend in den Fokus von Verbrauchern, Einzelhändlern und Gesetzgebern. Neben Qualität und Tierschutz rückt auch die Umweltbelastung zunehmend in den Fokus, wobei der CO₂-Fußabdruck eine zentrale Rolle spielt. Die Frage nach dem CO₂-Fußabdruck von Fleisch, Milch und Eiern ist nicht mehr nur eine akademische Frage – sie ist von gesellschaftlicher Relevanz. Dementsprechend besteht auch Bedarf an konkreten Emissionsdaten zu Lebensmitteln sowie, weiter unten in der Lieferkette, an Emissionsdaten zur Tierhaltung und Futtermittelproduktion. Grundsätzlich ist zu beachten, dass die Lebensmittelproduktion Teil eines natürlichen Kohlendioxidkreislaufs ist. Im Rahmen der landwirtschaftlichen Produktion wird natürlich vorkommendes Kohlendioxid aus der Atmosphäre gebunden und in pflanzliche Biomasse umgewandelt. Dies wird entweder direkt vom Menschen verzehrt oder über Nutztiere in Fleisch, Milch und Eier umgewandelt. Nach dem Verbrauch wird das Kohlendioxid wieder in die Atmosphäre freigesetzt – und der Kreislauf beginnt von Neuem. Im Rahmen der landwirtschaftlichen Produktion wird neben dem natürlichen CO₂-Kreislauf auch sogenanntes „anthropogenes“ Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt. Anthropogene Emissionen lassen sich je nach ihrer Herkunft in Emissionen aus fossilen Brennstoffen, biogene Emissionen und Emissionen im Zusammenhang mit Landnutzungsänderungen einteilen. Dieses „schwarze“ Kohlendioxid wird im Rahmen der Umweltbilanzierung ermittelt und gibt den CO₂-Fußabdruck von Futter- und Lebensmittelprodukten wieder.

Die Hauptgründe

Fünf Gründe, warum es für Tierhalter und Futtermittelhersteller sinnvoll ist, ihre eigenen Emissionsdaten zu ermitteln:

1. Lebensmittel tierischen Ursprungs sind angeblich ein Klimakiller:

Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur beträgt der Anteil der landwirtschaftlichen Emissionen in der EU-27 12,6 %. Die Hälfte bis zwei Drittel davon entfallen auf die Tierhaltung und machen somit nur einen einstelligen Prozentsatz der Gesamtemissionen aus. Diese setzen sich wie folgt zusammen:

  • Emissionen aus fossilen Brennstoffen: Diese entstehen durch die Verbrennung von Diesel, Benzin, Erdgas oder Heizöl, sowohl direkt im Rahmen der landwirtschaftlichen oder tierischen Erzeugung als auch in vorgelagerten Prozessen wie der Herstellung von Betriebsmitteln (z. B. Düngemitteln), Maschinen und Geräten. Je nach Tierart liegt der Anteil der durch die Tierhaltung verursachten Emissionen zwischen 30 % und 60 %.
  • Biogene Emissionen: Dazu gehören die Auswirkungen anderer klimarelevanter Gase wie Methan und Lachgas, die bei der enterischen Fermentation sowie bei der Lagerung und Ausbringung von Gülle und Mist entstehen. In der Milch- und Rindfleischproduktion machen biogene Emissionen 20 % bis 40 % der Gesamtemissionen aus; sie werden durch die methanogene Flora im Pansen der Tiere verursacht. Die Auswirkungen von biogenem Methan auf das Klima werden derzeit neu bewertet, da es aufgrund photochemischer Zersetzung eine relativ kurze Verweildauer in der Atmosphäre hat. Darüber hinaus lässt sich dieser Wert durch die Zusammensetzung der Futterration und den Einsatz von im Pansen wirksamen Futterzusatzstoffen (3-NOP) deutlich senken.
  • Emissionen aus Landnutzungsänderungen (LUC) beziehen sich auf die Kohlendioxidemissionen, die durch die Umwandlung von Grünland und Regenwald in Ackerland entstehen und hauptsächlich über Eiweißträger in die CO₂-Bilanz der Tierhaltung einfließen. Je nach Futterzusammensetzung kann dieser Anteil in der Rinderhaltung 5 % bis 10 % und in der Geflügel- und Schweinehaltung mehr als 30 % betragen.

2. Emissionen im Zusammenhang mit Futtermitteln machen den größten Anteil in der Tierhaltung aus:

Je nach Tierart machen die durch die Futtermittel verursachten Emissionen 40 % bis 75 % der Gesamtemissionen in der Tierhaltung aus. Dazu gehören neben den Emissionen aus der Landwirtschaft auch Emissionen aus dem Transport und der Verarbeitung sowie Emissionen aufgrund von Landnutzungsänderungen. Bei der Berechnung des CO₂-Fußabdrucks von Tierhaltern oder Futtermittelherstellern müssen diese Daten jedoch nicht direkt erhoben werden, sondern können in verifizierter Form aus Datenbanken bezogen werden.

3. Emissionen im Zusammenhang mit Futtermitteln bieten das größte Reduktionspotenzial:

Die Futterzusammensetzung, die Herkunft der Rohstoffe und die Futterqualität bieten die größten Ansatzpunkte für die Reduzierung der CO₂-Emissionen in der Tierhaltung. Es liegt auf der Hand, dass eine verbesserte Futterverwertung durch bessere Futterhygiene, eine optimierte Darmgesundheit und die Verwendung von Futtermitteln mit geringen landnutzungsbedingten Emissionen zu einer Verbesserung der CO₂-Bilanz führen wird. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, müssen die durch Futtermittel verursachten Emissionen genau berechnet werden. Eine einfache Schätzung auf der Grundlage von Durchschnittswerten oder nationalen Emissionsfaktoren reicht nicht aus.

4. CO₂-Reduzierung und Produktionskosten:

Die Reduzierung von Emissionen geht oft mit höheren Kosten einher. Viele der heute bekannten baulichen und technischen Lösungen für Stallungen (z. B. Gülle-Urin-Trennung, Abdeckungen für Güllegruben usw.) funktionieren sehr gut und bieten ein erhebliches Einsparpotenzial, verursachen jedoch auch zusätzliche Investitionskosten. Extensivierungsmaßnahmen führen nicht zwangsläufig zu Emissionsminderungen; sie sind jedoch mit höheren Kosten verbunden, was bedeutet, dass Klimaleistung und Tierschutz oft in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen. Die Suche nach Win-Win-Szenarien zwischen Emissionsminderung und Produktionskosten führt uns direkt in den Bereich der Tierernährung, der die Möglichkeit bietet, klimarelevante Gase zu reduzieren und gleichzeitig die Produktionskosten zu senken. Vor allem führt der Einsatz von Futtermittelzusatzstoffen zu einem doppelten positiven Return on Investment (ROI): sowohl hinsichtlich der Emissionen als auch hinsichtlich der Kosten. Letztendlich ist klimafreundliche Fütterung eine Frage der Effizienz.

5. Berichterstattung und Nachvollziehbarkeit:

Die Notwendigkeit der Ermittlung des ökologischen Fußabdrucks in der Tierhaltung ergibt sich vor allem aus den Berichtspflichten im nachgelagerten Sektor, beispielsweise bei großen Verarbeitungsbetrieben, Konsumgüterherstellern und Einzelhändlern (Stichwort: CSRD). Die entlang der Wertschöpfungskette weitergegebenen Emissionsdaten müssen hinsichtlich Rückverfolgbarkeit und Überprüfbarkeit von ausreichender Qualität sein. Darüber hinaus enthält der EU-Kodex für gute Kennspraxis genaue Anforderungen an die Berechnungsmethode und die Kennzeichnung von Umweltinformationen für Futtermittel. Die bloße Verwendung von Durchschnittswerten oder vereinfachten Berechnungen mithilfe von Futtermittelrezepturprogrammen reicht oft nicht aus. Spezielle LCA-Plattformen (z. B. Sustell™) gewährleisten die Einhaltung der geltenden Normen und Richtlinien.

Messbarkeit ist entscheidend

In der heutigen Landwirtschaft ist Ehrgeiz nicht das Problem. Der Beweis lautet: Denn die Zukunft basiert nicht auf Versprechungen. Es basiert auf Zahlen. Glaubwürdig. Vergleichbar. Umsetzbar. Da Nachhaltigkeit immer mehr vom Randbereich in den Mittelpunkt jedes Unternehmens rückt, lautet die Frage nicht mehr: „Tun wir das Richtige?“. Es heißt: „Können wir es zeigen?“ Können wir das verbessern? „Können wir es besitzen?“ Sustell™ wurde von dsm-firmenich entwickelt, um Unternehmen der Agrar- und Lebensmittelbranche dabei zu unterstützen, über bloße Werbeversprechen hinauszugehen. Um die Nachhaltigkeitsleistung messbar, steuerbar und rentabel zu machen. In der Futtermühle, auf dem Bauernhof, in der Wertschöpfungskette. Ganz gleich, ob Sie Emissionen senken, grünes Kapital erschließen, die Anforderungen von Scope 3 erfüllen oder Ihre Geschichte der Integrität erzählen möchten: Mach es nicht einfach nur besser. Schöpfen Sie das Potenzial Ihrer Präsenz voll aus. Machen Sie es messbar, nachvollziehbar und zertifizierbar.

Published on

19 February 2026

Tags

  • Sustainability