Mykotoxine sind Sekundärmetaboliten, die von Pilzen gebildet werden, wenn diese Getreidepflanzen während des Wachstums und der Lagerung befallen. Sie stellen eine anhaltende und komplexe Herausforderung in der Schweinehaltung dar. Trotz Verbesserungen bei den Anbaumethoden und Lagerverfahren ist eine Kontamination von Futtermittelzutaten mit Mykotoxinen wie Deoxynivalenol (DON), Zearalenon (ZEN), Fumonisinen (FUM), Aflatoxinen (Afla) und Ochratoxin A (OTA) bleibt nahezu unvermeidbar.
Während eine schwere Mykotoxinkontamination von Tierfutter zu eindeutigen klinischen Symptomen wie Futterverweigerung und Organversagen führt, kann eine geringe oder subklinische Exposition – selbst bei Konzentrationen unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte – die Tiergesundheit, das Wachstum und die Produktivität unbemerkt beeinträchtigen und die Rentabilität des Bestands beeinträchtigen, ohne dass sichtbare Symptome auftreten.
Neueste Forschungsergebnisse und Daten aus der Industrie zeigen, dass subklinische Mykotoxinkontaminationen weit verbreitet sind und dass ihre Auswirkungen weit über die veröffentlichten behördlichen Richtwerte für Kontaminationswerte hinausgehen. Glücklicherweise bieten wissenschaftliche Fortschritte, insbesondere im Bereich der enzymatischen Entgiftung, neue Strategien, um diese versteckten Kosten zu senken und sowohl das Tierwohl als auch die Rentabilität der landwirtschaftlichen Betriebe zu sichern.
Unter „subklinischer Exposition“ versteht man Toxinwerte, die unter den offiziellen Richtwerten liegen, wie sie beispielsweise von der Europäischen Union festgelegt wurden. Bei diesen Konzentrationen zeigen Schweine keine offensichtlichen Symptome, dennoch kommt es zu physiologischen und Stoffwechselstörungen. Diese bleiben oft unbemerkt, können aber im Laufe der Zeit die Leistungsfähigkeit und die Immunabwehr erheblich beeinträchtigen.
Eine Mykotoxinkontamination beschränkt sich selten auf ein einziges Toxin. Eine Kontamination mit mehreren Mykotoxinen ist die Regel und nicht die Ausnahme. Daten aus dem weltweiten Erhebungsprogramm von dsm-firmenich (Januar – September 2025) zeigten, dass 82 % der über 19.000 analysierten Futtermittelproben mehr als ein Mykotoxin enthielten. Diese Giftstoffe können additiv oder synergistisch zusammenwirken und so die negativen Auswirkungen verstärken, selbst wenn jeder Giftstoff für sich genommen in einer „unbedenklichen“ Konzentration vorliegt.
Herkömmliche Strategien zum Mykotoxinmanagement wie eine verbesserte Lagerung der Ernte, Toxinbinder und regelmäßige Untersuchungen bieten zwar klare Vorteile, haben aber auch ihre Grenzen. Adsorbentien sind vor allem gegen Aflatoxine wirksam, die sich leicht an Ton und andere Materialien binden. Die meisten nicht adsorbierbaren Toxine wie DON, ZEN und FUM bleiben jedoch auch in Gegenwart von Bindemitteln biologisch aktiv.
Da eine geringe Exposition oft nicht nachweisbar ist und Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Toxinen häufig vorkommen, ist ein gezielterer und zuverlässigerer Ansatz erforderlich, der Toxine vor der Aufnahme neutralisiert und die natürlichen Abwehrkräfte des Tieres unterstützt.
Dank der jüngsten Fortschritte in der Biotechnologie konnten spezifische Enzyme entwickelt werden, die Mykotoxine im Magen-Darm-Trakt von Schweinen irreversibel in harmlose Verbindungen abbauen können. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bindemitteln wirken diese Enzyme durch Biotransformation, indem sie die Molekülstruktur des Toxins aufspalten und es so unschädlich machen.
Der Forschungsprozess beginnt häufig mit dem Screening von Umweltmikroorganismen, die Mykotoxine auf natürliche Weise abbauen, wie beispielsweise Bakterien oder Pilze. Sobald das für diese Aktivität verantwortliche Enzym identifiziert wurde, wird es isoliert, exprimiert, durch Enzym-Engineering optimiert und so formuliert, dass es im Futter stabil bleibt.
Zwei Enzyme stehen derzeit an der Spitze der enzymatischen Entgiftung in Schweinefutter: FUMzyme® und ZENzyme®.
FUMzyme® ist ein gereinigtes Enzym, das die Umwandlung von Fumonisinen in ihre hydrolysierte Form katalysiert, die weitaus weniger toxisch ist. Fütterungsversuche haben gezeigt, dass die Zugabe von FUMzyme® zu kontaminiertem Futter den Fumonisin-Gehalt im Kot deutlich senkt. FUMzyme® ist das erste Enzym seiner Art, das sowohl in der EU als auch in den USA für die Anwendung bei Schweinen und anderen Tierarten zugelassen ist.
Niedrige Dosen von FUM®® (ca. 1,7–17 U/l) konnten 72,2 ppm FB1 (100 μM) vollständig abbauen. Eine Aktivität von 17 U/l hydrolysierte FB1 innerhalb der ersten 15 Minuten der Reaktion vollständig (Abbildung 1)
ZENzyme® ist ein gereinigtes Enzym, das ZEN in ein Produkt mit deutlich geringerer östrogener Wirkung spaltet. In Tierversuchen verhinderte das Enzym wirksam die Aufnahme von ZEN in den Blutkreislauf und verringerte dadurch die Risiken für die Fortpflanzung. Zulassung für ZENzyme® steht derzeit in der EU und den USA noch aus, wobei bereits vielversprechende Ergebnisse bei Schweinen vorliegen. Eine Dosis von 20 U ZEN®®/kg Futter (was 1 kg MPL 5.Z pro Tonne Futter entspricht) führt zu einem vollständigen Abbau von 10 ppm ZEN innerhalb von nur 2 Minuten Inkubationszeit, wie in Abbildung 2.
Zusammen bieten diese Enzyme eine gezielte, wissenschaftlich fundierte Lösung für eine seit langem bestehende Herausforderung im Bereich des Mykotoxinmanagements.
Eine wirksame Mykotoxinbekämpfung erfordert einen mehrsäuligen Ansatz, der Prävention, Erkennung und biologische Entgiftung miteinander verbindet. Mycofix® verkörpert dieses integrierte Konzept durch drei sich ergänzende Wirkmechanismen:
Dieser mehrstufige Schutz gewährleistet umfassenden Schutz, selbst wenn eine vollständige Entfernung der Toxine aus dem Futter nicht möglich ist.
Die Bekämpfung der subklinischen Mykotoxinexposition bringt messbare Vorteile. Züchter, denen es gelingt, die durch Toxine verursachte Wachstumshemmung und die Schwächung des Immunsystems zu verringern, können mit folgenden Vorteilen rechnen:
Eine subklinische Mykotoxinkontamination in Schweinefutter stellt eine versteckte, aber erhebliche Gefahr für Produktivität, Gesundheit und Rentabilität dar. Selbst wenn die Werte unter den gesetzlichen Grenzwerten bleiben, kann eine chronisch niedrige Belastung die Darmfunktion, das Immunsystem, die Organs Gesundheit und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Herkömmliche Strategien zur Risikominderung reichen allein nicht aus, um der ganzen Komplexität einer Kontamination mit mehreren Giftstoffen gerecht zu werden.
Das Aufkommen enzymbasierter Entgiftungstechnologien wie FUMzyme® und ZENzyme®, markiert einen Durchbruch im präzisen Mykotoxin-Management. Durch die direkte und irreversible Neutralisierung wichtiger Toxine im Magen-Darm-Trakt schützen diese Enzyme Schweine vor den versteckten Folgen einer subklinischen Exposition und verbessern gleichzeitig ihre Gesamtleistung und ihr Wohlbefinden.
Da weltweite Daten zur Futtermittelkontamination weiterhin die weitverbreitete Vorkommen mehrerer Mykotoxine belegen, ist die Einbindung breit angelegter, wissenschaftlich validierter Lösungen wie Mycofix® ist nicht mehr nur eine Option, sondern unerlässlich für eine nachhaltige und leistungsstarke Schweineproduktion
24 November 2025